BildergalerieSüdkurier, 07.07.2008Auf musikalischen WegenMeisterhaftes Serenadenkonzert von Kammerchor und Duo Entr’Acte in Stockach
Mit einem meisterhaften
Serenadenkonzert hat der Kammerchor
Stockach seine ersten Schritte
auf einem neuen musikalischen
Weg begangen. Gemeinsam mit dem
Konstanzer Duo Entr’Acte luden die
Sänger zu einer musikalischen Reise
durch die Liebeslyrik ein - von der Renaissance,
über den Barock und die
Romantik bis hin zu klanglichen Werken
des 20. Jahrhunderts.Dicht an dicht lauschten die Zuhörer im Innenhof der Apotheke Braun den 40 Chorstimmen, die von einem lauen Abendlüftchen sanft in die schmalen Gassen der Oberstadt getragen wurden. Der Sommerabendhimmel hüllte den wohl gewählten historischen Konzertort – der von 1838 bis 1933 Teil des Kaiserlichen Postamtes war – in eine romantische Atmosphäre, die wunderbar zum stimmungsvollen Ausflug durch fünf Musikjahrhunderte unter Chorleitung von Mathias Trost passte. Im Gegensatz zu dem sonst vornehmlich sakralen Repertoire des Kammerchors waren das weltliche Thema und der historische Ort dieses Konzertes ungewohnt. „Wir gehen neue Wege“, sagte Stadtmuseumsleiterin Yvonne Istas zur neuen musikalischen Orientierung, zu der das Stadtjubiläum Anlass gegeben habe. Istas stimmte die Zuhörer mit kleinen Textauszügen historischer Dokumente auf die jeweilige Epoche der verschiedenen Stücke ein. Mit dem Repertoire verführte der Chor auf virtuose Weise in eine Zeit, in der Trinkgelage der Zeitvertreib der Stadtbewohner waren, in der Ehebrüche vornehmlich von Frauen begangen wurden und in der die von Wirtshäusern und rauen Sitten geprägte Stadt Stockach im Jahr 1879 elf Brauereien besaß, wie Yvonne Istas dokumentierte. In den Liedern transferierten die Sänger expressiv das Thema: „Liebesfreud und Liebesleid“ - charmant, ironisch, deftig und stets voller Sehnsucht; französische Trinklieder, englische Tanzlieder und deutsche Volkslieder; von Pierre Passerau aus dem 16. Jahrhundert, über Romantikkompositionen des 19. Jahrhunderts von Johannes Brahms bis hin zur Popmusik der Band Yazoo mit „Only You“ aus dem Jahr 1982. Dazwischen erklang das Duo Entr’Acte mit Klängen von Christine Hellstern an der Querflöte und den sanften Zupftönen von Elmar Amann an der Gitarre, die die Stille im Publikum mit klassischen Klängen von Johann Sebastian Bach oder Jacques Ibert auf ihren Instrumenten in die Dämmerung hinaus trugen. Zugaben schlossen das Eintritt freie, mit reichlich Applaus honorierte Konzert ab. Denis Kunert Wochenblatt, 09.07.2008: Ein liebevolles KonzertVergnügliche Zeitreise: Ausflug ins Reich der MusikStockach (stu). Einst fuhren hier Postkutschen aus und ein, und mancher Liebesbrief wurde transportiert. Nun wurden "Liebesleid und Liebeslust" erneut beschworen. Das Duo "Entr'Acte" und der Kammerchor Stockach begaben sich bei ihrem Sommerkonzert auf eine vergnügliche musikalische Zeitreise von der Renaissance bis fast zur Gegenwart. Schauplatz war der Innenhof der Apotheke Braun, jener Ort, an dem einst das kaiserliche Postamt gestanden hatte. Der Andrang war groß, die Veranstalter mussten noch Extra-Stühle aufstellen.Unter der Leitung von Mathias Trost führte der Kammerchor die Besucher zunächst in die lebenslustige Zeit der Renaissance. Der Chor sang von der Liebe der Soldaten, von eifersüchtigen Ehemännern, von spöttischen Ehefrauen und gab ein französisches Trinklied zum Besten. Danach unterhielten Christine Hellstern an der Querflöte und Elmar Amann an der Konzertgitarre die Musikfreunde als "Duo Entr'Acte" mit Francis-Paul Demillacs fröhlicher "Petite Suite Medievale" und Johann Sebastian Bachs "Sonate in C-Dur". Zum besseren Verständnis der Musikstücke gab es Rüstzeug von Museumschefin Dr. Ivonne Istas: Sie verlas Textauszüge aus der Zeit, in der die Lieder geschrieben wurden und lieferte einen vergnüglichen Einblick in das Stockacher Postleben. Ihre Übersetzung des deftigen "Landsknechtständchens" von Orlando di Lasso ließ das Publikum schmunzeln, und der Gesang des Kammerchors leitete die Gäste erneut in die Zeit der Renaissance. Gefühlvoll präsentierte dann das Duo "Entr'Acte" Kaspar Fürstenaus fünf Sätze aus Opus 35 und Francesco Molinos Nocturne op. 38, bevor Yvonne Istas in das 19. Jahrhundert überleitete. Sie zitierte Annette von Droste-Hülshoffs wenig schmeichelhafte Worte über das "elende Nest" Stockach, das im beständigen Staubregen "aussah wie ein altes Weib, das ein Bettlaken um den Kopf gehängt hat". Dann ging es mit Volksliedern von Johannes Brahms, Emil Adamics "Rasti, ro˛marin" und mit dem Kammerchor auch musikalisch ins 19. Jahrhundert, ehe das Duo "Entr'Acte" Gabriel Faures "Pavane" und Jaques Iberts "Entr'Acte" intonierte. Der Kammerchor machte mit Vince Clarkes "Only You" und mit "Can't help falling in Love" von George Weiss einen großen musikalischen Sprung in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es war eine stimmungsvolle, eine vergnügliche Zeitreise ins Reich der Musik gewesen. Frank H. Struckat |